Wir in Zingst

Statt der alljährlichen „Faces of Festival“-Fotoaktion haben wir im Corona-Jahr diejenigen Zingster großformatig porträtiert, die das Bild des Ortes prägen.

Drei Tagen hatten wir Zeit, um insgesamt 86 Zingster zu fotografieren. Direkt vor Ort, wo sie leben und arbeiten, haben wir an zwei Tagen 35 von ihnen besucht. Die restlichen waren am dritten Tag in unserem improvisierten Studio im Max-Hünten-Haus zu Gast – im Zehn-Minuten Takt.

Bilderfassung

86 – die Zahl klingt groß, aber nicht einschüchternd. Schließlich muss man als Fotograf ja „nur“ Bilder von allen Leuten machen.

Das heißt – genau genommen: erstmal mit wenigen Sätzen eine Beziehung aufbauen. Dann – bei den Terminen vor Ort – einen Hintergrund finden, der die Person in ihrem Kontext verankert. Oder im Studio neben dem Menschen selbst auch das Licht im Blick behalten. Beim Fotografieren gibt man ein paar Anweisungen für Kopf- und Körperhaltung und löst zehn bis zwanzig mal aus. Dann lässt sich später am großen Monitor entscheiden, welche die „Schokoladenseite“ des Einzelnen ist. Eigentlich würde das reichen.

Texterfassung

In Zeiten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) reicht es nicht. Vor oder nach dem Bildermachen müssen unsere Kandidaten noch ein „Model-Release“ ausfüllen, also einen Vertrag, der uns und den beteiligten Partnern unwiderruflich alle Verwendungsrechte an diesen Bildern einräumt. Früher hatten wir dafür einfache Listen auf Papier. Heute werden die Daten digital mit einem iPad und der App „Easy Release“ aufgenommen, per Foto zusätzlich optisch personalisiert und schließlich digital unterschrieben. Der Text, den alle unterzeichnen müssen, ist maximal kleingedruckt fast eine halbe DIN A4 Seite lang, um den gesetzlichen Vorschriften Rechnung zu tragen.

Bei unserer „Wir in Zingst“-Aktion kam noch eine weitere Aufgabe hinzu: Wie bei den „Faces of Festival“-Bildern der letzten Jahre wollen wir von jedem Porträtierten ein Statement mitnehmen. Einige hatten bereits Sätze vorformuliert. Zum Beispiel erklärte eine sportbegeisterte Schlachterstochter: „Grillsport ist auch Fettverbrennung“. Oder ein Feuerwehrführer gab zu Protokoll: „Ich brenne für Zingst“. In diesen Fällen war es leicht. Meist war es schwerer. Hier mussten wir längere Gespräche führen, um in Erfahrung zu bringen, wen wir da eben fotografiert haben und was für diese Menschen charakteristisch ist, um dann gemeinsam aus den Informationen ein griffiges Zitat zu entwickeln.

Technik

Fotografiert haben wir alle Porträts mit der Canon EOS R und dem RF 50mm F1.2L USM. Zusätzlich kamen, wo nötig, ein oder zwei mobile Profoto Blitze mit jeweils 500 Wattsekunden Leistung zum Einsatz. Die anschließende Entwicklung der Raws erfolgte in Capture One, die Feinabstimmung in Photoshop. Weil es uns in diesem Fall darum ging möglichst individuelle Bilder zu produzieren, gab es keine einheitliche Bearbeitung, sondern bewußt voneinander abweichende Farbkorrekturen. Das betrifft vor allem die im Studio aufgenommenen Bilder, bei denen der hellgraue Hintergrund möglichst vielfarbig wirken sollte.

Zeitaufwand

Für alle, die gerne selbst solche Aktionen umsetzen möchten, hier eine kurze Aufschlüsselung der Arbeitszeiten, die für das Projekt angefallen sind:

Die Aufnahmen, das Erfassen der Daten und die Gespräche mit den Porträtierten haben zusammen 26 Stunden gedauert. Dabei waren wir allerdings zu zweit, so dass sich die Zeit verdoppelt. Das Aussuchen der Bilder, die Verwaltung der Daten, die Verdichtung der Zitate sowie die Bearbeitung der finalen 86 Fotos schlug noch einmal mit 35 Stunden zu Buche. Allerdings nur einmal, denn hier war keine Assistenz nötig. Vorgelagert und nachgelagert kam die organisatorische Abstimmung der Termine bei den einzelnen Personen und anschließend der Freigabeprozess hinzu. Hier konnten wir keine genauen Zahlen bei dem dafür verantwortlichen „Kümmerer“ Markus Weiß herausbekommen. Er schätze aber, sagte er auf Nachfrage, dass ihn diese Tätigkeiten „bestimmt zwei Wochen lang auf Trab gehalten“ hätten.

Produktion

Ziel der Aktion war es, die fotografierten Zingster und Zingesterinnen im Ort sichtbar zu machen. Die Fotoabteilung der Kurverwaltung hat sie dazu mit den erfassten Texten versehen und im lokalen Druckcenter ausgedruckt, damit sie großformatig an mehreren Stellen im Ort ausgestellt werden konnten. Sie sind dort noch bis zum 31. März 2021 zu sehen.

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