Kulturelle Aneignung?

Wann ist ein Bild mein eigenes und wann ist „Sich-inspirieren-lassen“ geistiger Diebstahl? Solche Fragen kann man aus rechtlicher Sicht betrachten. Aber es gibt auch noch eine moralische Bewertung, die zum K.o.-Kriterium für ein Fotoprojekt werden kann, wenn man in den Verdacht der kulturellen Aneignung gerät.

Eines der 25 Exponate der Ausstellung in Oederan von Ralf Mohr und mir. Format etwa 150 mal 100 Zentimeter, Text hier proportional größer.
Während unsere Porträts als Einzelbilder konzipiert sind, präsentiert Angelica Dass – die uns des Plagiats beschuldigt – ihre in Form alter ­rassekundlicher Tafeln in einem Raster und ergänzt sie jeweils mit einer Pantone-Kennzeichnung (hier mit unseren Fotos nachgestellt).

Aufmerksame Leser erinnern sich an das Offcolor-Projekt: Porträts mit freien Schultern, frontal aufgenommen, neutralem Gesichtsausdruck und das Ganze vor einem hautfarbenem Hintergrund. Ursprünglich handelte es sich dabei um Motive einer Serie, mit der ich herausfinden wollte, ob man als NFT-Artist schnelles Geld verdienen kann (DOCMA 102, S. 106 ff). Bei einer ungeplanten Erweiterung des Projekts wurde ein zusätzlicher realweltlicher Aspekt bedeutsam: Es gab einen Plagiatsvorwurf.

Vorgeschichte

Ich hatte die erste aus gerade mal sechs Motiven bestehende NFT-Collection „geminted“, als das ­Telefon klingelte. Der treuen Lesern aus vielen DOCMA-Projekten bekannte Hannoveraner Fotograf Ralf Mohr war am Apparat und wollte wissen, ob ich eine Idee für zwei Dutzend Porträt-Motive hätte. Er war für eine Ausstellung angefragt worden, aber zeitlich gerade etwas knapp. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass ihm als Exponate die NFT-Projekt-Porträts vorschwebten. Es gab aber noch nicht genug davon. Also einigten wir uns darauf, die Arbeit mit der Organisation, dem Fotografieren und dem Nachbearbeiten zu teilen und so die Ausstellung gemeinsam zu bestücken.

Die politische Dimension – zu Ende lesen auf docma.info

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