
Maschinengenerierte KI-Texte gefallen dem Publikum oft besser als handgemachte, und erkannt werden sie schlechter als per Münzwurf. Bleibt die Frage, wer die Handarbeit eigentlich bezahlen soll.
Fünf Euro pro Seite. Zwanzig wären üblich gewesen. Dafür sollte die Übersetzerin den niederländischen Unterhaltungsroman aber auch nicht übersetzen, sondern nur noch nachsehen, was die Maschine bereits übersetzt hatte. Das Angebot kam 2024 von Bastei Lübbe. Die Übersetzerin machte es öffentlich, und der Verlag beantwortete dazu bislang offiziell keine Fragen.
Die Maschine ist also nicht durch den Vordereingang der Kunst in den Literaturbetrieb gekommen, sondern durch die Hintertür der Rechnung. Deshalb geht die Empörungsdebatte darüber, ob eine künstliche Intelligenz Romane schreiben darf, an Verlagen, Redaktionen und Agenturen so eigentümlich vorbei. Dort wird nicht mehr debattiert, dort wird kalkuliert.
In einer Untersuchung, die gerade in der Fachzeitschrift „Judgment and Decision Making“ erschienen ist, lasen 1682 Erwachsene je eine von sechs Kurzgeschichten, drei von Menschen verfasst, drei KI-Texte von ChatGPT. Wer eine maschinelle erwischte, fand sie fesselnder und besser. Sagte man den Lesern, ein Text stamme von einem Menschen, stieg die Note zusätzlich, unabhängig davon, ob das stimmte. Das Vorurteil arbeitet also für den Menschen, die Maschine gewinnt trotzdem. Und beim Erkennen wurde es komisch: 905 Erwachsene bekamen zwei Geschichten zum selben Thema vorgelegt und sollten raten. Im einen Durchgang lagen 52 Prozent richtig, im anderen rund 40. Vierzig ist schlechter als der Münzwurf. Wer so danebenliegt, rät nicht, sondern folgt einer falschen Regel.
Das Maß, das die Kunst nicht misst
Bewertet wurde, was gefiel: leichte Lesbarkeit, sauberer Bogen, kein Widerhaken. Deena Skolnick Weisberg von der Villanova University, eine der Autorinnen, erklärt es genau so. Die Leser wollen Menschengemachtes, weil sie sich davon Echtheit versprechen, bevorzugen aber das Maschinelle, weil es leichter zu verdauen ist. Das ist kein Nebenbefund, das ist das zentrale Ergebnis. Ein Sprachmodell ist eine Mittelwertmaschine, es sagt das nächste Wort so voraus, wie es die meisten Texte gesagt hätten. Sein Ergebnis ist strukturell mehrheitsfähig.
Nur misst dieses Maß ausgerechnet dort nichts, wo es interessant würde. Hölderlins späte Hymnen galten hundert Jahre lang als Gestammel eines Kranken. Büchners „Woyzeck“ lag Jahrzehnte als unsortierter Papierstoß herum, gedruckt 1879, gespielt erst 1913, weil vorher niemand wusste, was das sein soll. Robert Walser schrieb in der Anstalt mit Bleistift in zwei Millimeter hoher Schrift weiter, und man hielt die Blätter für die Geheimschrift eines Verwirrten. Arno Schmidt legte 1970 „Zettel’s Traum“ vor, ein Faksimile seines Typoskripts, über 1300 Seiten im Format DIN A3, zweitausend signierte Exemplare zum dreistelligen Markpreis. Das ging sogar gut aus, die Auflage war nach Monaten weg. Vorhergesagt hätte das kein Modell der Welt.
Alles, was seiner Zeit voraus ist, wird von seiner Zeit unterdurchschnittlich bewertet, ganz zwangsläufig, weil das Publikum die Kategorie noch nicht besitzt. Ein Text, der in einer Zufallsstichprobe über dem Mittel liegt, hat vor allem bewiesen, dass er niemanden überfordert. Für den Urlaubskrimi ist das eine Auszeichnung. Für Literatur, die etwas verschieben will, ein Armutszeugnis.
Und wer bezahlt die Handarbeit?
Damit wäre die Sache klar, wenn nicht jemand die Rechnung dafür bekäme. Und genau hier wird die ganze Siegel- und Echtheitsdebatte unangenehm.
Die Künstlersozialkasse führt zum Januar 2026 im Bereich Wort 36.057 aktiv Versicherte, das sind Schriftsteller, Übersetzer, Journalisten. Ihr durchschnittliches Jahreseinkommen aus selbständiger Arbeit: 25.076 Euro. Vor Steuern. Bei den Frauen 22.677, bei den über Sechzigjährigen 21.545. Zehn Jahre zuvor waren im selben Bereich noch 43.094 Menschen versichert. Der Beruf schrumpft, bevor die Maschine überhaupt richtig loslegt.
Fun Fact: Ganze 4.304 Menschen in Deutschland können ausschließlich vom Schreiben leben. Ohne Existenznot, mit mehr als 50.000 Euro im Jahr, leben davon 1.802. Ein volles Regal in einer mittleren Buchhandlung, gemessen an 52.644 Neuerscheinungen.
Da fällt mir eine kleine Anekdote aus der „guten“ alten Zeit ein, als ich vom meinem Anteil an 22 Bänden unserer Photoshop-Enzyklopädie (inklusive der Übersetzungsrechte in drei Sprachen) immerhin noch einen gebrauchten Range Rover kaufen konnte. Auf dem alljährlichen Verlagsempfang für Technik-Autoren bei der letzten CeBit in Hannover stand ich mit meiner Lektorin von Addison Wesley beim Rauchen vor der Tür. Sie beschwerte sich bitterlich, dass meine Kollegen so bescheidene Manuskripte ablieferten. Ganz anders als bei mir, hätte sie mit denen unendlich viel Arbeit. Woran das wohl liege? Ich erkläre Ihr, dass meine Bücher alle mindestens von Doc Baumann, also einem Photoshop-Fachmann erster Güte, gegengelesen worden seien und anschließend in der fertig layouteten Fassung von unserer Schlussredakteurin in punkto Stil, Rechtschreibung und Illustrationslogik auf Herz und Nieren geprüft worden sind, bevor sie, die Lektorin, die Seiten zu sehen bekäme. Das erstaunte sie. Als wir in den Saal zurückkehrten, fragte ich, wer eigentlich außer mir von den Anwesenden rund 40 Kollegen vom Schreiben lebt. Sie zögerte einen Moment blickte durch die Reihen und sagte dann: „Der ältere Mann da hinten im blauen Hemd.“ Also mit mir zwei von 40 Sachbuchautoren des damals größten Verlags in Deutschland für Computerliteratur.
Im Journalismus ist es noch anschaulicher. Der Freischreiber-Honorarreport hat 2024 aus über tausend Selbstauskünften ein Durchschnittshonorar von 25 Euro pro Stunde ermittelt, bei Tageszeitungen 18,10 Euro, bei Regionalzeitungen 17,33. Der Report rechnet gleich selbst weiter, mit der Faustregel ein Drittel Steuern, ein Drittel Arbeitsmittel: Übrig bleiben 8,33 Euro pro Stunde. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit Januar 2026 bei 13,90 Euro. Und das Schlusslicht der Auswertung, ein Leipziger Stadtmagazin, zahlte umgerechnet 4,86 Euro die Stunde.
Wer nun einwendet, das sei doch schon immer ein brotloser Beruf gewesen, unterschlägt, dass hier etwas abgeräumt wurde. Schon 2011, lange bevor irgendjemand ein Sprachmodell um einen Text bat, rechnete der Verband Freischreiber vor, dass die Standardhonorare für freie Journalisten in den drei Jahrzehnten zuvor inflationsbereinigt um etwa 30 Prozent gefallen waren, während die Tarifgehälter der festangestellten Redakteure um rund 50 Prozent stiegen. Wer in den achtziger Jahren frei schrieb, verdiente real mehr als sein Nachfolger heute. Eine Umfrage des Journalistenverbandes unter 2187 Freien ergab für 2008 ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 2147 Euro im Monat, gegenüber 4510 Euro Tarifgehalt eines Redakteurs im fünfzehnten Berufsjahr. Knapp vierzig Prozent der Freien kamen auf weniger als tausend Euro brutto, zehn Jahre zuvor waren es noch nicht dreißig Prozent gewesen. Die künstliche Intelligenz betritt also keinen blühenden Markt, den sie ruiniert. Sie kommt als letzter Gast zu einem Fest, das seit vierzig Jahren abgeräumt wird.
Bei Büchern gibt es sogar eine amtlich vermittelte Messlatte. Unter Aufsicht der Bundesjustizministerin einigten sich Schriftstellerverband und Verlage 2005 auf gemeinsame Vergütungsregeln: zehn Prozent vom Nettoladenpreis für Hardcover, beim Taschenbuch fünf Prozent bis zwanzigtausend Exemplare. Ein Roman für 24 Euro bringt seinem Verfasser damit gut zwei Euro pro verkauftem Buch. Wer zweitausend absetzt, was bei 52.644 Erstauflagen für sehr viele Titel schon ein hübscher Erfolg wäre, hat vor KI für ein oder zwei Jahre Bio-Schreib-Arbeit rund viertausend Euro verdient.
Der eigentliche Trick steckt allerdings nicht im Prozentsatz, sondern in dem, wovon gerechnet wird. Die Vergütungsregeln kennen nur den Nettoladenpreis, also das, was im Laden auf dem Preisschild steht. Verbreitet hat sich seither die Beteiligung am sogenannten Nettoverlagserlös, und der ist eine ganz andere Bezugsgröße: Von ihm sind die Rabatte an den Handel bereits abgezogen, die der Autor weder verhandelt noch kennt. Vierzehn Prozent, die ein renommierter Sachbuchschreiber noch vor fünfzehn Jahren aushandeln konnte, klingen nach mehr als zehn. Bezogen auf einen Abgabepreis, der etwa die Hälfte des Ladenpreises beträgt, sind es sieben. Und für die Bereiche, in denen die meisten Schreibenden arbeiten, für Sachbuch, Ratgeber, Fachbuch, Kinder- und Jugendbuch, gelten die Vergütungsregeln von 2005 ausdrücklich überhaupt nicht. Dort steht bis heute kein Maßstab, an dem sich irgendetwas messen ließe.
Der Gesamtumsatz der Buch-Branche lag 2025 bei 9,62 Milliarden. Und jetzt die Zahl, die alles zusammenhält: 57 Prozent der 2025 verkauften Bücher waren gar keine Neuerscheinungen, sondern Backlist. Titel aus früheren Jahren, Klassiker, Longseller, Schulausgaben, Dauerbrenner oder schlicht der sogenannte Longtail des Marktes. Titel, von denen im Jahr nu eine ein- bis zweistellige Zahl verkauft wird. Die Branche verdient also einen Teil ihres Geldes mit Büchern, die längst geschrieben sind, deren Autoren teils seit hundert Jahren tot sind. Die neuen Titel sind der kleinere Teil des Geschäfts. Man könnte den Eindruck bekommen, der Betrieb lebt vom Bestand und zahlt den Nachschub aus der Portokasse.
Kommen wir nach dem Ausflug in die finanzielle Realität zurück zur aktuellen Kulturdebatte: Vor diesem Hintergrund klingt der moralische Appell, Texte gefälligst weiterhin von Hand zu fertigen, na, sagen wir mal vorsichtig: „merkwürdig“. Er richtet sich an Leute, die für diese Handarbeit unterhalb des Mindestlohns arbeiten, und er kommt von einer Branche, die dieselbe Handarbeit gerade auf fünf Euro die Seite heruntergehandelt hat und ihr Auskommen ohnehin überwiegend mit den Büchern von vorgestern macht. Wer Sorgfalt einfordert, muss sie einkaufen. Sonst ist die Forderung keine Haltung, sondern eine Zumutung, hübsch verpackt in Kulturbesorgnis. Der Skandal an den fünf Euro ist eben kein ästhetischer, sondern ein tarifpolitischer.
Das Biosiegel und die leere Spalte
Die Branche versucht es trotzdem mit dem Etikett. In Großbritannien arbeitet Esme Dennys mit „Books by People“ an einem Siegel für Bücher von Menschenhand, samt Fragebogen, Prüfsoftware und Nachweisen zum Entstehungsweg. Der Vergleich, den der „Spiegel“ dafür zieht, ist das Biosiegel im Supermarkt, und er ist besser, als er gemeint war: Das Biosiegel behauptet ja nicht, die Tomate schmecke besser. Es sagt nur, wie sie gewachsen ist. Genau das, Herkunftsangabe statt Gütezeichen, ist alles, was ein Literatursiegel leisten kann.
In Deutschland bleibt das ein britisches Gewächs. Hier zirkuliert stattdessen eine „Handreichung zur Entwicklung einer verlagseigenen Haltung im Umgang mit KI„, verschickt vom Börsenverein. Darin sind Einsatzszenarien tabellarisch aufgelistet, und die letzte Spalte heißt „Haltung des Verlags“. Sie ist leer. Ein Freifeld. Wenigstens ehrlich.
Der Suhrkamp-Verleger Jonathan Landgrebe, einer der wenigen, die dem Spiegel auf Nachfrage überhaupt antworten, ist sicher, dass sich maschinelle Bücher erkennen lassen. Die Studie hält dazu ein Detail bereit, das jedem Lektorat die Laune verdirbt: Erfahrung mit Literatur half beim Erkennen überhaupt nicht, Erfahrung mit KI-Systemen schon. Wer maschinelle Prosa erkennt, erkennt sie also nicht, weil er viel gelesen, sondern weil er viel geprompt hat.
Und während die Branche über all das streitet, baut sie parallel eine Maschine, die vorsortiert, was überhaupt erscheint. BearingPoint stellt deutschen Verlagen seit Herbst 2024 das Prognosewerkzeug „DemandSens“ bereit, versprochene Treffsicherheit über 80 Prozent, in einzelnen Warengruppen 95. Die Erweiterung „Book Insight“ soll Manuskripte schon im Frühstadium durchleuchten. Die „Süddeutsche Zeitung“ überschrieb ihren Artikel mit „Die Atombombe“. Übertrieben, sagt der Verantwortliche Frank Duscheck, am Ende entscheide immer noch ein Mensch. Mag sein. Ein Modell, das aus vergangenen Verkaufszahlen die Zukunft ableitet, arbeitet trotzdem zwangsläufig rückwärts. Hölderlin, Büchner, Walser und ein Faksimile im Format DIN A3 hätte es zuverlässig aussortiert. Nicht aus Bosheit, aus Rechenkunst. Und damit vielleicht genau jene Longseller, die heute die 57 Prozent tragen, von denen die Branche lebt. Die Backlist ist nichts anderes als das Archiv der Fehlprognosen von gestern.
Die pragmatische Grenze
Gordon Nüsch, seit 2025 Leiter KI bei Rowohlt, stellt die Frage, an der jeder Vertrag hängt: Wenn er sich Titel brainstormen lasse, wenn er mit KI Hintergrundrecherche betrieben habe, wären das schon Ausschlusskriterien? Sie lässt sich beantworten, sobald man aufhört, nach dem Werkzeug zu fragen, und anfängt, nach Funktion und Preis zu fragen. Drei Prüfungen genügen.
Erstens: Hat der Text eine überprüfbare Aufgabe? Anleitung, Klappentext, Pressetext, Zusammenfassung, Gebrauchsübersetzung. Dann ist die Maschine legitim und oft überlegen, denn Gleichförmigkeit ist hier keine Schwäche, sondern eine Tugend. Niemand wünscht sich eine Handlungsanweisung in eigenwilliger Versform.
Zweitens: Wird die Handarbeit bezahlt, die man verlangt? Wer sie einfordert und gleichzeitig auf acht Euro die Stunde drückt, bekommt am Ende Maschinentexte mit menschlichem Namen darauf.
Drittens, die schärfste: Kann dieser Text scheitern? Kann er zu früh sein, zu fremd, zu wütend, und nimmt der Autor das in Kauf? Wo die Antwort Ja lautet, hat die Maschine strukturell nichts zu bieten, weil ihr Verfahren das genaue Gegenteil ist. Ein Modell rechnet auf Zustimmung, ein Künstler riskiert Ablehnung. Sperrigkeit auf Bestellung ist eine Pose, kein Wagnis. Wer nichts zu verlieren hat, geht kein Risiko ein.
Alles dazwischen bleibt Verhandlungssache, und dort hilft kein Verbot, sondern nur, was in der leeren Spalte des Börsenvereins noch fehlt: sagen, wer was gemacht hat, und bezahlen, was man verlangt.
Bleibt die Frage, die man ruhig stehen lassen sollte. Wenn das Publikum den Unterschied nicht bemerkt und das Maschinelle sogar lieber mag, für wen rettet die Branche dann die Handarbeit? Für die Leser kaum. Vermutlich für jene fünf Bücher pro Jahrzehnt, die niemand bestellt hat, die sich schlecht verkaufen und deren Verfasser für ein bisschen verrückt gehalten werden. Eine schmale Bemessungsgrundlage für eine Industrie mit 9,62 Milliarden Umsatz. Nur ist das genau die Ware, die in dreißig Jahren die Backlist füllt und die Rechnungen bezahlt. Wer heute nur noch das Mehrheitsfähige einkauft, verkauft vielleicht in dreißig Jahren nichts mehr, weil ihm der Bestand fehlt. Die Handarbeit ist keine Kulturförderung. Sie ist möglicherweise die Altersvorsorge der Verlagsbranche.
Addendum: Erik Schilling, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Leipzig schreibt am 6.8.26 in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „Sigmund Freud hat als „drei Kränkungen des Menschen“ beschrieben, wie der Mensch wiederholt in seiner Selbstgewissheit erschüttert wurde: Er bildet (kosmologisch) nicht den Mittelpunkt des Universums, ist (biologisch) nicht die Krone der Schöpfung und (psychologisch) nicht Herr der eigenen Triebe. Wenn man gängige Reaktionen auf die KI betrachtet, scheint mit der neuen Technologie eine vierte (noologische) Kränkung hinzugekommen zu sein: Der Mensch ist nicht alleiniger Schöpfer geistiger Werke. Die Maschine schreibt diese inzwischen schneller, nicht selten sogar besser als der Mensch.“ Daraus leitet er später im text die Forderung ab, am sollte über über Autorisierung statt Autorenschaft nachdenken.
Munter bleiben.
Quellen
- Nicola Davis: „AI-generated stories rated better quality than human-written ones, study finds“, The Guardian, 5. August 2026, zur Untersuchung in „Judgment and Decision Making“ (1682 Teilnehmer; zwei Folgeversuche mit zusammen 905 Teilnehmern, Trefferquoten rund 40 und 52 Prozent). Zitiert: Deena Skolnick Weisberg, Villanova University.
- Xaver von Cranach, Michail Hengstenberg, Katharina Stegelmann: „Brauchen wir ein Gütesiegel für Bücher?“, DER SPIEGEL 32/2026. Daraus: Bastei Lübbe 2024, „Shy Girl“/Hachette, „Books by People“/Esme Dennys, Jonathan Landgrebe, Gordon Nüsch, Handreichung des Börsenvereins, BearingPoint mit „DemandSens“ und „Book Insight“, Frank Duscheck, Schlagzeile der „Süddeutschen Zeitung“.
- Künstlersozialkasse, „KSK in Zahlen“, Stand 1. Januar 2026: Bereich Wort 36.057 aktiv Versicherte, durchschnittliches Jahreseinkommen 25.076 Euro (Männer 28.123, Frauen 22.677); 2016 waren es 43.094 Versicherte. Die KSK weist Einkommen nur für den jeweils aktuellen Stichtag aus, eine amtliche Zeitreihe für den Bereich Wort liegt öffentlich nicht vor.
- Michael Söndermann, Büro für Kulturwirtschaftsforschung Köln, im Auftrag des Verbands deutscher Schriftsteller in ver.di. Mediendossier zur Lage der Autoren und Übersetzer, 19. März 2026: nominal plus 36 Prozent seit 2015 auf 24.000 Euro (2025), inflationsbereinigt 19.700 Euro, Höchststand real rund 21.400 Euro im Jahr 2020. Datenreport „Das Einkommen der Autor*innen in Deutschland“, Oktober 2024, auf Basis von Einkommen- und Umsatzsteuerstatistik, KSK und Beschäftigungsstatistik: 4.304 Personen leben ausschließlich vom Schreiben, davon 1.802 mit mehr als 50.000 Euro Jahreseinkommen brutto; das entspricht 5,7 Prozent aller Schriftsteller. Die Verbandsvorsitzende Lena Falkenhagen weist darauf hin, dass davon vermutlich rund zwei Drittel auf besser bezahlte Drehbucharbeit entfallen.
- Freischreiber e. V., Honorarreport 2024 (1.068 auswertbare Selbstauskünfte, ausdrücklich nicht repräsentativ): 25,00 Euro Durchschnittshonorar je Stunde, Tageszeitungen 18,10 Euro, Regionalmedien 17,33 Euro; nach der Faustregel des Reports bleiben 8,33 Euro je Stunde. Niedrigster Wert 4,86 Euro.
- Freischreiber e. V., Stellungnahme vom 2. Dezember 2011, zum langfristigen Verlauf: Standardhonorare für freie Journalisten in den drei Jahrzehnten zuvor inflationsbereinigt um etwa 30 Prozent gesunken, Tarifgehälter der Redakteure um rund 50 Prozent gestiegen; DJV-Umfrage unter 2187 Freien für 2008: 2147 Euro durchschnittliches Bruttomonatseinkommen gegenüber 4510 Euro Tarifgehalt im 15. Berufsjahr; Anteil der Geringverdiener 1998 bei 29,7 Prozent, 2008 bei 38,3 Prozent. Anmerkung: Die Stundensätze von 2011 und 2024 beruhen auf unterschiedlichen Erhebungsverfahren und sind nicht unmittelbar vergleichbar.
- Gesetzlicher Mindestlohn seit 1. Januar 2026: 13,90 Euro je Stunde.
- Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Zahlen zum Buchmarkt 2025 (vorgestellt am 9. Juli 2026): 52.644 Erstauflagen, minus 9,8 Prozent gegenüber 58.346 im Vorjahr, 2020 waren es 69.180; Branchenumsatz 9,62 Milliarden Euro, minus 2,7 Prozent. 57 Prozent der 2025 verkauften Bücher waren Backlist-Titel, also keine der 52.644 Neuerscheinungen. Die Größe bezieht sich auf den Absatz, nicht auf den Umsatz; den Umsatzanteil weist der Börsenverein gesondert in der Analyse „Wirtschaftsfaktor Backlist“ gemeinsam mit Media Control aus.
- Arno Schmidt, „Zettel’s Traum“, Stahlberg 1970: Faksimile des Typoskripts, über 1300 Seiten im Format DIN A3, 2000 signierte Exemplare, nach wenigen Monaten vergriffen.
- Gemeinsame Vergütungsregeln für Autoren belletristischer Werke in deutscher Sprache, unterzeichnet am 9. Juni 2005 unter Mediation der Bundesministerin der Justiz, in Kraft seit 1. Juli 2005. Richtwert Hardcover zehn Prozent vom Nettoladenverkaufspreis, Abweichung auf acht bis zehn Prozent bei näher benannten Gründen, darunter geringe Verkaufserwartung und Erstlingswerk; Taschenbuch fünf Prozent bis 20.000, sechs ab 20.000, sieben ab 40.000, acht ab 100.000 Exemplaren; Nebenrechte 60 Prozent buchfern, 50 Prozent buchnah. Nach § 1 ausdrücklich nicht anwendbar auf Sachbuch, Ratgeber, Lexika, Fachbuch, Kinder- und Jugendbuch, Schul- und Lehrbuch, Hörbuch sowie Übersetzungen.
Transparenz
Dieser Text ist mithilfe von KI entstanden. Seine Anfertigung hat etwa fünf Stunden und 15 Iterationen erfordert, inklusive der manuellen Nacharbeit. Es waren drei unterschiedliche KI-Systeme zur Recherche, zur Vorformulierung und zur Endkontrolle eingesetzt. Hinzu kam eine weitere Stunde für die Ausarbeitung der Illustration mit zwei Bild-KI-Systemen. Bezahlt hat dafür niemand.
FAQ
Eine 2026 in der Fachzeitschrift „Judgment and Decision Making“ veröffentlichte Untersuchung kommt zu diesem Ergebnis. 1682 Erwachsene lasen je eine von sechs Kurzgeschichten, drei von Menschen und drei von ChatGPT verfasst. Die maschinellen Texte wurden als fesselnder und als qualitativ besser bewertet. Die beteiligte Forscherin Deena Skolnick Weisberg erklärt das damit, dass maschinelle Prosa leichter zu lesen und zu verdauen sei, nicht damit, dass sie kunstvoller wäre.
Zuverlässig nicht. In zwei Versuchen derselben Untersuchung sollten 905 Erwachsene bei je zwei Geschichten zum gleichen Thema erraten, welche von einem Menschen stammte. Im einen Durchgang lagen rund 52 Prozent richtig, im anderen etwa 40 Prozent und damit schlechter als der Zufall. Bemerkenswert ist ein weiterer Befund: Leseerfahrung half beim Erkennen nicht, Erfahrung im Umgang mit KI-Systemen dagegen schon.
Ein Kennzeichen, das die Herkunft eines Buches ausweist, nicht seine Qualität. Das britische Unternehmen „Books by People“ von Esme Dennys arbeitet an einem solchen Siegel. Verlage und Autoren durchlaufen dafür ein Prüfverfahren aus Fragebögen, einer eigenen Analysesoftware und Nachweisen zum Entstehungsweg. In Deutschland gibt es bislang kein vergleichbares Siegel. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat lediglich eine Handreichung verschickt, deren letzte Spalte „Haltung des Verlags“ leer bleibt.
Deutlich weniger, als der Branchenumsatz vermuten lässt. Die Künstlersozialkasse weist zum Januar 2026 für den Bereich Wort ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 25.076 Euro vor Steuern aus, bei 36.057 aktiv Versicherten. Der Honorarreport des Verbands Freischreiber ermittelte für Tageszeitungen 18,10 Euro je Stunde. Nach Abzug von Steuern und Arbeitsmitteln bleiben nach der Faustregel des Reports 8,33 Euro. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit Januar 2026 bei 13,90 Euro.
4304 Personen. Das ergab ein Datenreport von Michael Söndermann für den Verband deutscher Schriftsteller auf Grundlage amtlicher Statistiken. Nur 1802 dieser Autoren erreichen mehr als 50.000 Euro Jahreseinkommen brutto. Das entspricht 5,7 Prozent aller Schriftsteller, wobei nach Angaben des Verbandes vermutlich rund zwei Drittel davon auf besser bezahlte Drehbucharbeit entfallen. Zum Vergleich: 2025 erschienen in Deutschland 52.644 Erstauflagen.
Als Maßstab gelten die Gemeinsamen Vergütungsregeln von 2005: zehn Prozent vom Nettoladenpreis für Hardcover-Ausgaben und fünf Prozent beim Taschenbuch bis 20.000 Exemplare, ansteigend bis acht Prozent ab 100.000 Exemplaren. Verbreitet ist inzwischen die Beteiligung am Nettoverlagserlös, von dem die Handelsrabatte bereits abgezogen sind. Vierzehn Prozent davon entsprechen etwa sieben Prozent des Ladenpreises. Für Sachbuch, Ratgeber und Fachbuch gelten die Regeln ausdrücklich nicht.
Es ist gesunken, obwohl die Zahlen nominal steigen. Nach einer Auswertung der Kassendaten durch Michael Söndermann für ver.di stieg das durchschnittliche Jahreseinkommen der versicherten Autoren und Übersetzer seit 2015 um 36 Prozent auf 24.000 Euro. Inflationsbereinigt bleiben 2025 jedoch nur 19.700 Euro, rund acht Prozent weniger als beim realen Höchststand im Jahr 2020 und weniger als acht Jahre zuvor.
Eine pragmatische Abgrenzung von KI-Text und Bio-Text fragt nicht nach dem Werkzeug, sondern nach der Funktion des Textes. Drei Prüfungen bieten sich an. Hat ein Text eine überprüfbare Aufgabe wie Anleitung, Zusammenfassung oder Gebrauchsübersetzung, ist maschinelle Arbeit vertretbar und oft überlegen. Lebt er von seiner Unwiederholbarkeit, braucht er einen menschlichen Verfasser. Und drittens: Kann der Text scheitern, also zu früh oder zu sperrig sein, hat die Maschine strukturell nichts zu bieten.
Als Backlist gelten alle Titel, die nicht im laufenden Jahr neu erschienen sind, also Klassiker, Longseller und Dauerbrenner. Sie trägt den Buchmarkt: 57 Prozent der 2025 in Deutschland verkauften Bücher waren Backlist-Titel und gehörten damit nicht zu den 52.644 Erstauflagen des Jahres. Der Branchenumsatz lag 2025 bei 9,62 Milliarden Euro und damit 2,7 Prozent unter dem Vorjahr.
Zwei Prognosewerkzeuge der Beratungsfirma BearingPoint für den deutschen Buchmarkt. DemandSens steht Verlagen seit Herbst 2024 zur Verfügung und sagt den Verkaufserfolg eines Buches mit einer versprochenen Treffsicherheit von über 80 Prozent voraus, in einzelnen Warengruppen 95 Prozent. Die Erweiterung Book Insight soll Manuskripte bereits im Frühstadium auf ihre Verkaufsaussichten prüfen. Die „Süddeutsche Zeitung“ überschrieb ihren Bericht dazu mit „Die Atombombe“.